Aus dem Teufelskreis ausbrechen

Manchmal wird der Druck einfach zu groß. Verpflichtungen und Termine nehmen überhand, das Telefon klingelt am laufenden Band, Brände flammen an verschiedenen Ecken gleichzeitig auf und wir sind mittendrin. Das geht jedem von uns mal so — für manche ist das sogar Alltag.

Wie bekommt man das Leben dann wieder in den Griff, wie schafft man es, die Schlagzahl wieder auf ein gesundes Maß zu senken? Einfach ist das in vielen Situationen nicht, das weiß ich aus eigener Erfahrung, aber ich möchte ein paar Tipps dazu geben. Angeregt dazu hat mich ein Artikel von Leo Babauta, und wenn Thomas sich mehr zu seinen Artikeln wünscht, kann ich das nicht einfach ignorieren. :-)

Hier also einige Taktiken gegen Stress durch Überlastung:

1. Innehalten. Egal, wie schlimm die Strömung ist — mit Panik wird es dir jedenfalls nicht gelingen, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Oder, um es mit einem anderen Bild zu sagen: Wenn es dir im Karussell schlecht wird, hilft nur Aussteigen. Also: Stop. Tief durchatmen. Ein paar Schritte durchs Stockwerk gehen, oder raus an die frische Luft. Nein, die Arbeit wird dadurch nicht weniger. Aber wenn du erst mal ein bisschen Distanz gewonnen hast, kannst du anschließend wieder in den Nahkampf gehen, jetzt jedoch gezielt.

2. Aufräumen und ordnen. Vor einiger Zeit saß ich verzweifelt vor dem Rechner, weil nichts voran ging. Bis mir klar wurde, dass mich die schiere Menge überlastete. Zu viele Tabs offen im Firefox, zu viel Zeug über den Schreibtisch verstreut, zu viele Themen im Kopf. Ich hab also die Tastatur weg geschoben und aufgeräumt. Im Browser hab ich alle gerade nicht benötigten Tabs geschlossen, die URLs der wichtigen vermerkte ich vorher als Aufgabe. Post, Geschirr und anderes Zeug verfrachtete ich dorthin, wo sie besser aufgehoben waren: Eingangskorb, Spüle und Mülleimer. Und was mir sonst noch im Kopf herumging, ließ ich ebenfalls in mein GTD-System abfließen. Dann ging ich mit einer frischen Tasse Tee wieder an die Arbeit — und plötzlich klappte es.

3. Auswählen. Als Orga-Freak schwebt man noch mehr in der Gefahr als andere, sich zu viel vorzunehmen. Als ob der Druck, den andere auf einen ausüben, nicht schon genug sei, dreht man die Schraube selbst noch weiter an. Wie idiotisch! Die einzig richtige Antwort auf “Oh Gott, das alles schaff ich doch niemals!” ist manchmal: “Stimmt! Und — auf was davon willst du dich statt dessen konzentrieren?” Und diese ein, zwei, maximal drei Sachen kommen auf eine sichtbare Liste und werden der Reihe nach angepackt. “Was ist das Wesentliche?” ist für mich eine unglaublich wichtige Frage geworden.

4. Vertagen und delegieren. Was ist aber nun mit dem Rest? Wir können ihn nicht einfach verdrängen — jedenfalls nicht ohne Konsequenzen. Hier bleibt einem nichts anderes übrig, als mit allen, mit denen man Verpflichtungen eingegangen ist, neu zu verhandeln. Das ist nicht immer einfach, aber ich habe auch schon oft genug auf die Bitte um etwas mehr Zeit die erleichternde Antwort erhalten: “Du, kein Problem. Ich brauch das erst nächste Woche.” Dann wird für die Erledigung eine feste Zeit eingeplant und der Zeiger steht wieder im grünen Bereich. Wichtig ist nur, an dieser Stelle nicht gleich wieder den Fehler zu begehen, sich für einen Tag zu viel vorzunehmen.

Ein Weg, Zusagen trotz Überlastung einzuhalten, ist Delegation. Ergibt es sich, dass ein Kollege tatsächlich Zeit hat, die Aufgabe zu übernehmen, muss ich lediglich noch die Zeit und das Vertrauen investieren, sie ihm ordentlich zu übergeben. Wer aber nicht mal fragt, hat seine überquellende To-Do-Liste verdient.

5. Ablehnen. Es gibt ein Konzept, das ist noch kürzer zu schreiben und noch effektiver als GTD: “NO.” :-) Wenn jemand meine Unterstützung braucht, erwartet er oder sie auch Qualität. Die kann ich aber einfach nicht liefern, solange noch die anderen Aufgaben meine volle Aufmerksamkeit benötigen. Der Auftraggeber muss sich also entweder jemand anderen suchen oder warten. Sollte die neue Aufgabe (ausnahmsweise) so wichtig sein, dass sie nicht warten kann, muss halt eine andere hinten anstehen. In dem Fall ersetze ich das “Nein” durch “Gut, welche deiner anderen drei Sachen lasse ich dafür liegen?”

6. Sammeln. Oft ist es ein Haufen Kleinzeug, der uns die Zeit stiehlt, die wir für das Wesentliche bräuchten. Es hilft, sich für Dinge wie das Beantworten von E-Mail, Papierkram und Telefonanrufe einen zusammenhängenden Zeitraum im Kalender zu reservieren. Dann kann man oft im Minutentakt Aufgaben aus der Liste streichen (ich liebe dieses Gefühl), die einen sonst immer wieder zwischendurch gepiesackt hätten.

One Response to “Aus dem Teufelskreis ausbrechen”

  1. Thomas Fahle Says:

    Hallo Jochen,

    endlich mal jemand, der einem Wünsche erfüllt. Und das auch noch in hoher Qualität.

    Danke.

    Thomas

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