Planen für das Ungeplante

In der IT gibt es das “Continuity Management” — die Planung von Abläufen zur Behandlung ungeplanter Störungen. Der Gedanke dahinter ist: Je weniger Improvisation nötig ist, um einem Notfall zu begegnen, desto schneller bekommt man ihn in den Griff und desto weniger Folgeschäden sind zu befürchten.

Die IT mag der erste Ort sein, wo man solche klar definierten Prozesse sucht (und immer noch zu selten findet). Aber was spricht dagegen, ein Incident Management auch für andere Bereiche des beruflichen und privaten Lebens einzurichten? Überall können unerwartet U-Boote auftauchen, und dann herumzurennen wie ein geköpftes Huhn wird die Situation garantiert nicht verbessern. Hier einige Beispiele für solche U-Boote:

  • Das Kleinkind hat gerade eine ganze Flasche Fischölkapseln aufgegessen.
  • Ein wichtiger Termin steht bevor und das Auto hat gerade den Geist aufgegeben.
  • Ein kurzfristiger Anlass erfordert eine kurze Reise, aber jemand muss sich um den Hund kümmern.

Wenn solche Ereignisse nicht in Stress ausarten sollen, ist Vorbereitung notwendig. Wir brauchen einen Plan B. Wir brauchen sogar viele B-Pläne. So, wie wir uns in der Schule Zeit nehmen mussten, um einen Feueralarm zu üben, brauchen wir jetzt etwas Zeit, um Abläufe und Informationen zu dokumentieren, die uns in Notsituationen helfen.

Hier einige Denkanstöße:

  • Eine gängige Empfehlung an Eltern kleiner Kinder ist, sich eine Liste wichtiger Telefonnummern bereitzulegen. So muss man nicht erst in Panik das Telefonbuch suchen, um Ärzte oder die Vergiftungs-Hotline zu suchen.
  • Im Vorfeld einer wichtigen Präsentation ist es sinnvoll, Vorkehrungen zu treffen, falls der Laptop den Geist aufgibt. Das könnten beispielsweise ein Ersatz-Laptop und eine Kopie der Präsentation auf einem USB-Stick sein.
  • Falls die Gefahr besteht, dass man kurzfristig verreisen muss, entlastet es, wenn man bereits eine Auswahl von Leuten hat, die bereit sind, sich um den Hund zu kümmern.
  • Erfahrungsgemäß ist es unklug, sich hundertprozentig darauf zu verlassen, dass das Gepäck zur selben Zeit den selben Urlaubsort erreicht wie man selbst. Ein Satz Unterwäsche und die Kreditkarte im Handgepäck könnte Abhilfe schaffen.

Am besten stellst du dir bei jeder Sache, die wichtig ist, die Frage: “Was kann schiefgehen?” Von der so entstehenden Liste ausgehend kannst du dir dann mögliche Reaktionen überlegen. So negativ zu denken mag unangenehm sein. Ich zum Beispiel bin Optimist durch und durch; ich denke nicht gern an Katastrophen. Aber noch weniger will ich gestresst sein. Einen Plan B zu haben hilft schon im Vorfeld, ruhiger mit einer wichtigen Sache zu hantieren — ganz zu schweigen von dem Zeitpunkt, in dem das Zeug den Ventilator trifft.

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