Selbstadministration statt Zeitmanagement

Im vergangenen Jahr hielt ich auf dem Blogcamp Switzerland einen Vortrag mit dem Thema “Getting Blogs Done”, in dem ich erklärte, wie ich die GTD-Methoden beim Bloggen einsetze. Schon damals konnte ich auf die Publikumsfrage, wie viele Einträge ich damit denn raushauen könnte, keine beeindruckenden Zahlen nennen. Und wenn ich mir das Datum des vorigen Blogeintrags anschaue, sieht es um meine Blog-Produktivität noch düsterer aus.

Allerdings wäre der Kommentar “Und, Jochen — was bringt dir dein Getting Things Done? Ich seh nix.” etwa so treffend, als würde ich meiner sportbesessenen Nachbarin entgegenhalten: “Ich kann nicht erkennen, was dir deine teuren Laufschuhe bringen — offenbar kommt kein einziger Kilometer dabei raus.” Mit drei gerissenen Bändern läuft man halt etwa so viel wie man bloggt, wenn keine Zeit dafür da ist.

Letzteres ist bei mir aktuell der Fall und ein Grund, warum ich mit dem Begriff “Zeitmanagement” meine Schwierigkeiten habe. Denn dass man Zeit nicht managen kann, habe ich gerade in den letzten Wochen wieder schmerzlich erfahren müssen. Die Zeit tickt vorbei, und kein Verfahren dieser Welt kann sie aufhalten oder nach Wunsch formen. Das einzige, was man tun kann, ist, die Zeit, die einem bleibt, effektiv auf den Gebieten einzusetzen, die wichtig sind. Bei mir sind das zuerst meine Freundin und mein Job. Beruflich baue ich derzeit eine neue IT-Abteilung auf und zuhause eine Familie. Beides ist Neuland für mich und vielfach fehlen mir noch die eingespielten Methoden, um wirklich effektiv zu handeln. Deshalb fordern viele Probleme noch mehr Zeit als unbedingt nötig und fressen so die Reserven auf, die sonst fürs Bloggen übrig blieben.

Wofür ich hingegen schon bewährte Werkzeuge habe, ist für die simple Abarbeitung von Aufgaben. Hätte ich in den vergangenen Wochen nicht auf das zurückgreifen können, was ich in den letzten Jahren über Selbstadministration gelernt habe, wäre ich in der Flut meiner Aufgaben hoffnungslos untergegangen. Gut, manche Dinge schaffte und schaffe ich nicht zum gewünschten Termin, und andere blieben ganz auf der Strecke. Aber das liegt daran, dass auch für GTD-Anwender der Tag nur 24 Stunden hat. In den meisten Fällen überwiegt bei mir dennoch das gute Gefühl, die wichtigen Dinge erledigt oder sie zumindest festgehalten zu haben, um ihnen die nötige Aufmerksamkeit zu sichern.

Bin ich mit meinen Selbstadministrations-Methoden doppelt so produktiv wie meine Kollegen und Freunde? Wahrscheinlich nicht. Aber oft bin ich nur halb so gestresst — weil ich weiß, dass die Themen, in die ich meine knappe Zeit investiere, die richtigen sind.

Ich hoffe, dass auch dieses Blog bald wieder regelmäßig zu ihnen gehört.

9 Responses to “Selbstadministration statt Zeitmanagement”

  1. erwin Says:

    da hilft bei einigen problemen nur das Bauchgefühl gepaart mit einem guten schuss Zweckoptimismus ;-)

  2. Jochen Says:

    @erwin: Ja, meine positive Grundeinstellung gibt mir manchmal noch ein paar zusätzliche Millimeter oberhalb der Wasseroberfläche. :-)

  3. Tom Schimana Says:

    GTD, Zeitmangement, Selbstmanagement usw. sind am Ende nur Werkzeuge und Techniken. Dadurch wird der Tag nicht länger und die Arbeit nicht weniger. Die Zeit wird nur effektiver genutzt und die Arbeit (kann) schneller von der Hand gehen.

    Ich sehe ja auch bei mir. Irgendwann bzw. irgendwo kommt der Punkt, da helfen auch die ganzen Tricks mit GTD und co. nichts mehr. Dann, wenn die Arbeit einfach mehr ist, als man bewältigen kann.

    Der Unterschied zwischen Leuten, die GTD und co. machen und welchen die es nicht machen (können) ist hier recht einfach. Das “Chaos”, die Überlastung oder wie man den Punkt auch immer nennen möchte, fängt bei den “anderen” einfach früher an.

  4. erwin Says:

    @tom schimana ich habe festgestellt das die meisten leute zwar ihr fach beherrschen aber nicht ihre arbeit ,was das organisieren angeht

  5. Tom Schimana Says:

    @erwin: Der Meinung bin ich auch. Genau gesehen, lernt man ja auch nirgends das Arbeiten, sondern nur das Fachwissen. In der IT lernt man zwar wie man einen Server installiert, aber nicht, wie man sich die Arbeit dafür richtig einteilt und wie man sich darauf vorbereitet.

  6. Jochen Says:

    @Tom: Es sei denn, das Unternehmen oder zumindest der Mitarbeiter selbst achtet auf eine ganzheitlichere Weiterbildung, die nicht allein aufs Technische abhebt.

  7. Tom Schimana Says:

    @Jochen: Natürlich. Vor allem in der letzten Zeit wird hier wohl immer verstärkter darauf geachtet. Ich bin selbst sogar der Meinung, das eine rudimentäre psychologische Weiterbildung dazugehört. Ob dies allerdings der allgemeine “Standard” ist, kann ich nicht sagen. Vor allem in der IT denken viele noch viel zu viel daran, dass Technologie alles ist. Der Bezug zu Mensch und zu Arbeitstechniken gehen dabei oftmals unter.

    Aus diesem Grund bin ich immer fleißig dabei, selbstadministration.de zu empfehlen. Hab ich mich schon mal für die Infos auf Deinem Blog bedankt? Danke!

  8. erwin Says:

    @tom schimana bei den älteren projektleitern gibt es eine binsenweisheit “Neue Besen fegen gut,aber die alten Wissen wo der Dreck sitzt.

  9. Mein persönliches System zu Verwaltung meiner Aufgaben - Tom Schimana Says:

    [...] und Tätigkeiten begonnen. Es ist eine Mischung aus unterschiedlichen Methoden, wie GTD, ZTD, Selbstadministration und meiner persönlichen [...]

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